Kismet

Seit Jahren quält mich ein Gedanke,
verdränge ihn so gut ich kann,
umhüllt mein Hirn wie eine Ranke,
strebt ohne Unterlass voran.

Der Kern des Ganzen dargebracht geschwind:
All Dasein ist vorherbestimmt!,
das Leben, es folgt einem Pfad,
unabhängig von Herkunft oder Stand.

All das, was Mensch zu machen pflegt,
im Buch des Schicksals dargelegt,
wir schreiben nicht, wir lesen nur,
und folgen blind der Lebensspur.

Doch wer benutzt den Federkiel,
schreibt unveränderliche Worte nieder,
zieht Schicksalsfäden wie ein Spiel,
bricht uns Genick und alle Glieder.

Gibt es ’nen Ausweg aus diesem Zwang und Elend?,
das Leben frei und unbestimmt zu leben, sprich: 
im Schicksalsbuch zu schreiben,
anstatt es nur im Rückblick lesen,
ganz ehrlich, ich weiß es wirklich nicht.